Schöne @digitale Welt | Leserbrief Dr. Lipp Ärzteblatt-Sachsen | 11/2017

Zu den Leserbriefen von Dr. med. Kathrin Uhlig, Dresden und Dr. med. Phillipp Conradi, Dresden (beide

„Ärzteblatt Sachsen“; Heft 10/2017) erreichte uns die Antwort von Dr. med. Thomas Lipp, Leipzig (Vor- standsmitglied):

Hochverehrte Kollegen Uhlig und Conradi,
erstmals in der Weltgeschichte gibt es einen unbegrenzten weltweiten Arbeits- und Anbietermarkt, mit einem riesigen Überangebot an auf den Arbeitsmarkt drängenden Men- schen. Dadurch sind wir gezwungen, hoch qualifizierte Arbeiten anzubie- ten, die in anderen Gegenden von anderen Menschen nicht ausgeübt werden können. Man muss sich um den Preis des Unterganges an die Gegebenheiten anpassen. Auch der Arzt unterliegt heute einem Wettbe- werbs- und Konkurrenzdruck.

Ihre geäußerten Bedenken teile ich. Sie ändern aber nichts an der Tatsa- che, dass auch das Gesundheitswe- sen digitalisiert wird und es absurd ist, uns abschotten zu wollen. Wer will die Vorteile der Digitalisierung leugnen? Sie sind ausführlich be- schrieben. Ob zukünftig die Welt besser oder schlechter ist, entzieht sich unserer Beurteilung. Auf jeden- falls ist sie – mitunter beängstigend

– anders.
Durch die Digitalisierung wird sich analog der Entdeckung des Stromes, der Dampfmaschine oder des Com- puters die Tätigkeitswelt des Arztes vom Grunde her ändern. Das war in den letzten 150 Jahren durch techni- sche und biologische Entwicklungen auch immer wieder der Fall. Viele, bisher allein dem Arzt zugeordnete Tätigkeitsfelder werden durch die Digitalisierung preiswerter und kön- nen schließlich auch von anderen bei gleicher oder besserer Qualität ange- boten werden als vom teuersten Fak- tor im Gesundheitswesen, nämlich dem Arzt. So werden sich originäre

Tätigkeitsfelder zu anderen Berufen hin verschieben
Die Bedenken sind groß. Das darf uns aber nicht in Agonie, aber auch nicht ins Jubilieren verfallen lassen. Wir müssen der Tatsache ins Auge schauen, dass wir als Kammer und Mandatsträger verpflichtet sind, die Umfeldbedingungen so zu gestalten, dass der Arzt und der Patient in Zukunft die ihnen angemessene Rolle finden. Gerade die Bedenken vor einem totalitären Gesundheits- wesen, welches stark von staatlichen Interessen geprägt wird, zwingt uns die Digitalisierung mitzugestalten. Die von Herrn Kollegen Conradi beschriebenen Probleme spielen sich auf der Seite der Umsetzung der technischen Realisierung ab. Sie sind misslich, sie sind real, sie sind ein ständiges Ärgernis, aber sie berüh- ren die Problematik der darüber lie- genden Ebene der prinzipiellen und grundsätzlichen Entwicklungen nur am Rande.

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