Sachsen will Entwicklung der Telemedizin vorantreiben | KVS-Mitteilungen 11/2018

Am 17. September 2018 trafen sich rund 400 Teilnehmer aus Gesundheitswirtschaft, Politik und Wissenschaft zum „Sächsischen Tag der Telemedizin“ in Leipzig. Auch Vertreter der KV Sachsen nahmen daran teil – mit dem Hintergrund des aktiven Einstiegs in ein Modellprojekt zur Fernbehandlung, das nur wenige Tage zuvor auf der Sonder-Vertreterversammlung beschlossen wurde.

Diskutiert wurde über den aktuellen Stand der Telemedizin in Sachsen und die gegenwärtigen Entwicklungen auf Bundesebene. Über 25 Projekte aus dem Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen und der Telemedizin präsentierten sich im Rahmen dieser Veranstaltung.
„Telemedizin kann einen wichtigen Beitrag leisten, dass überall im Land gute medizinische Versorgung auf hohem Niveau sichergestellt wird. Der Freistaat unterstützt medizinische Forschung und innovative Versorgungsangebote. Es geht darum, telemedizinische Angebote auszubauen. Der Freistaat fördert deswegen ganz gezielt auch den Breitbandausbau als eine Grundlage für neue und leistungsstarke Anwendungen“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zur Eröffnung.

Dem schloss sich Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch an: „Telemedizin ist für mich ein bedeutender Baustein bei der flächendeckenden Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Mit der Entwicklung stehen wir erst am Anfang. Nach der Lockerung des Fernbehandlungsverbotes können wir mehr für die Patienten erreichen. Dazu müssen wir gemeinsam mit den Partnern aus dem Gesundheitswesen entsprechende Projekte entwickeln, die den Alltag vieler Patienten erleichtern wird“, sagte sie. Damit die Telemedizin einen echten Nutzen bringt, sei die Akzeptanz bei Ärzten und Patienten erforderlich, ergänzte sie weiter. Sachsen habe bisher innovative E-Health-Maßnahmen und Projekte im Bereich Ambient Assisted Living in Höhe von fast 17 Millionen Euro gefördert und damit Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 21 Millionen Euro angeschoben.

Deutlicher Technologiezuwachs in den letzten Jahren

In zahlreichen Fachvorträgen widmeten sich die Referenten den Themen elektronische Gesundheitskarte, IT-Sicherheit, Alltagsfähigkeit der Telemedizin, Fördermöglichkeiten oder auch der Entwicklung innovativer E-Health-Dienste. Dr. Thomas Lipp, Facharzt für Allgemeinmedizin in Leipzig, Vorstandsvorsitzender des Sächsischen Hartmannbundes und Mitglied der Vertreterversammlung der KV Sachsen, stellte seine Erfahrungen mit interdisziplinären Telekonsultationen vor. Sie beruhen auf einem vor etwa acht Jahren ins Leben gerufenen Pilotprojekt, als die Telemedizin praktisch noch in den Kinderschuhen steckte. Das Ziel der 18 Monate dauernden Erprobung bestand damals darin, eine sinnvolle Anwendung eines Telekonsils zwischen HNO- und Allgemeinärzten zu realisieren – mit Erfolg. „Seit damals ist ein deutlicher Technologiezuwachs zu verzeichnen und die 

Telemedizin lässt sich immer mehr in den Praxisalltag integrieren.“, ist er überzeugt. Vorstellbar sei für ihn, Alten- und Pflegeheime auch fachärztlich mitzuversorgen, Hausärzte durch wegfallende Besuche zu entlasten oder Außenposten von Praxen mit Hilfe von Praxisassistenten oder Nichtärztlichen Praxisassistenten und durch einen Arzt – zumindest routinemäßig – zu versorgen. „Telemedizinisch lässt sich alles, was oberflächendarstellbar und visualisierbar, also übertragbar ist, andenken. Grundvoraussetzung für eine flächendeckende und mentale Umsetzung sind aber – denn wir leben nun mal in einer Marktwirtschaft – Abrechnungsmöglichkeiten, die dieses neue Gebiet wirtschaftlich interessant darstellen lassen.“, sagte Dr. Lipp weiter. Nun sei es die Aufgabe der KVen und Kassen, hier einem neuen Entwicklungsfeld der Versorgung auch entsprechend „Düngung“ zu geben.

Ärzte und Patienten profitieren

Dabei stellen telemedizinische Verfahren keinen Ersatz für übliche diagnostische oder therapeutische Verfahren dar. Sie können die qualitativ hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung unterstützen und besonders im ländlichen Raum verbessern. Digitale und telemedizinische Dienste können im Alltag eine Hilfe sein, um Arzt und Patient zusammenzubringen. Angehörige und Pflegepersonal, aber auch Arztpraxen, Notaufnahmen und Krankenhäuser würden entlastet, und die elektronische Patientenakte könnte die sektorenübergreifende Kommunikation schneller und einfacher machen. 

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