Offener Brief: Mut zum neuen Denken!

Sehr geehrte Damen und Herren: Mut zum neuen Denken!

Die Veränderungen bezüglich zukünftiger Versorgung der Menschen und Patienten ändert sich rasant. Alle wissen das. Doch die meisten darge- brachten Lösungen tragen das Grundmuster vom letzten Jahrhundert, wer- den den zukünftigen Erfordernissen nicht gerecht. Auch wenn kaum mehrjemand den inflationierten Begriff „sektorübergreifend“ hören kann, so las-sen sich tatsächlich Verbesserungen in der medizinischen Versorgung nur durch eine Stärkung eben dieser sektorenübergreifenden sowie interprofes- sionellen Zusammenarbeit realisieren. Dies ist eine unabdingbare Voraus- setzung, sie verspricht an dieser Stelle die Optimierung der Versorgung, die Steigerung von Behandlungsqualität, der Berufszufriedenheit der Gesund- heitsberufe und nicht zuletzt eine Verbesserung der Kosteneffizienz des Gesundheitssystems. Ein wichtiger und bisher noch zu wenig betrachteter Aspekt ist aus Sicht des Sächsischen Hartmannbundes dabei die Verzah- nung der Gesundheitsprofessionen bereits im Studium, also schon in der Ausbildung. Die klassische Universität mit Vorlesungen sind Vergangenheit. Studenten holen sich die besten Referenten zum Thema im Internet. Und wahrlich nicht jede Klinik, jedes Fach ist von fachlich-rhetorischen Kory- phäen besetzt. Die Hörsäle sind oft traurig leer. Und: wie kann aber eine gute Zusammenarbeit in der späteren Praxis funktionieren, wenn nicht be- reits am Anfang ein gemeinsames Lernen und Interagieren gelehrt wird. Wie soll denn Interprofessionalität erfahrbar werden. Wäre das anders, ist mit Synergieeffekten zu rechnen, da mit Blick auf die spätere Behandlung verschiedene Ansätze und Betrachtungswinkel je nach Profession zusam- mentreffen werden. Insoweit müssen jedoch insbesondere die Curricula der Studiengänge in der Human- und Zahnmedizin, aber eben auch der Phar- mazie wie auch der akademisierten Pflege überdacht werden.

Aus diesem Grund plädiert-die Hörsäle werden deswegen kaum vor Über- füllung zusammenbrechen – der Hartmannbund Sachsen für gemeinsame Ausbildungsabschnitte in den Studiengängen Medizin, Zahnmedizin, Phar- mazie, Pflege; also der Möglichkeit, vielen Studierenden ein Angebot an hochkarätigen Vorlesungen, gemeinsamen Seminaren und anderen Lehr- veranstaltungen zu bieten. Dies sollte sich langfristig positiv auf die Qualität der Lehre insgesamt auswirken. Und am Ende durch diese Konzentration auch Kosten sparen und die Qualität der Lehre anheben.

Dafür muss aber die Landesregierung, die Ministerien, vorerst die erforder- lichen Mittel bereitstellen, mutig in Neues investieren und nicht die Zukunft aus Bangigkeit kaputtsparen.

Wir fordern daher alle Beteiligten und Verantwortlichen auf, das gemeinsa- mes Lernen der Gesundheitsberufe zu fördern und sich an einem runden Tisch gemeinsam über mögliche nächste Schritte zu beraten.

Des Weiteren sehen wir, dass sich zukünftige Ärzte mit den bisherigen klassischen Inhalten des Physikum allein kaum auf die Medizin und Versor- gung von kranken Menschen von morgen vorbereitet wissen, wo Algorith- men und KI viele ärztlichen Aufgabenfelder neu strukturieren. Das Physi- kum dient mit den wissenschaftlichen Grundlagenfächern Bio, Chemie und Physik der erforderlichen Niveauanhebung der Abiturienten, dass diese dem Studium gewachsen sind. Das kann aber heute nicht die Aufgabe ei- nes teuren Medizinstudiums sein, diese Voraussetzungen zu schaffen. Die- se sind obligat im Abitur zu erwerben. Wer diese Kenntnisse nicht aufbringt, hat im Studium eben nichts verloren. Es wäre an der Zeit, die dann freiwer- denden Kapazitäten anders zu füllen. Im Wissen, dass der Arzt der Zukunft vor allem wertende, beratende, führende, interpretierende Aufgaben über- nehmen muss, ist das Physikum durch ein Philosophikum zu ergänzen, diese 2 Jahre völlig neu inhaltlich auszugestalten ,dem Studenten ebenso wie die Grundlagen der Wissenschaft, also dem klassischen Physikum, Fächer wie Philosophie, Theologie, Ethik, am Ende auch germanistische Grundkenntnisse, wie auch Statistische Grundlagenkenntnisse und Grund- kenntnisse der KI zu vermitteln! Das klassische Physikum entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen an einen Arzt und bedarf dringlich einer inhaltlichen Neuausrichtung in Richtung Physikum/ Philosophikum!

Hochachtungsvoll,

Ihr Dr. med. Thomas Lipp

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